Fachstelle Kinderwelten für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung

Inklusion in der Praxis von Krippen und Kitas (INKK)

Projekt zur Praxis- und Materialentwicklung für inklusive Krippen und Kitas auf der Grundlage Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung

  • Ausgangspunkt: Mangel an Praxismaterialien zu Inklusion
  • Grundlage: Der Ansatz Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung als inklusives Praxiskonzept
  • Das Projektvorhaben
  • Vernetzung und Verbreitung
  • Zeitlicher Ablauf und Förderung

Ausgangspunkt: Mangel an Praxismaterialien zu Inklusion

Für Kindertageseinrichtungen ist eine wertebezogene Qualitätsentwicklung gefragt, die ausgehend von Leitzielen und Prinzipien der Inklusion vorhandene Abläufe, Routinen und Strukturen hinterfragen und gegebenenfalls verändern lässt.

„Inklusive Frühpädagogik verlangt, die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Lebensverhältnisse von Kindern und Familien zu berücksichtigen und gleichzeitig Ausgrenzung und Diskriminierung entgegen zu treten. Die zentrale Qualifikationsanforderung an pädagogische Fachkräfte besteht darin, fachliches Analysieren, Handeln, Reflektieren sowohl differenzbewusst als auch diskriminierungskritisch zu fokussieren. Pädagogische Fachkräfte brauchen keine gänzlich anderen Kompetenzen, gefragt ist die systematische Ergänzung pädagogischer Grundkompetenzen um diese beiden Perspektiven.“ (Sulzer & Wagner 2011, 58)

Woran es bisher fehlt, ist die Aufbereitung wissenschaftlicher Erkenntnisse, die pädagogische Fachkräfte bei der Gestaltung von Praxis  unterstützen können. Dies betrifft insbesondere die Aufbereitung von Fachwissen über die Implikationen von Heterogenität und Diskriminierung für die Bildungsprozesse junger Kinder und die Aufbereitung von methodischem Wissen zur Gestaltung inklusiver pädagogischer Praxis für die Arbeit in Krippen.

Das Projekt zielt darauf, diese Lücke zu schließen. Grundlage ist der Ansatz Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung.

Grundlage: Der Ansatz Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung als inklusives Praxiskonzept

Der Ansatz Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung bietet Navigation in dem komplexen und widersprüchlichen Feld von „Gleichheit und Differenz“: Alle Kinder haben das Recht auf Bildung – und gleichzeitig gibt es erhebliche Bildungsbenachteiligung. Alle Kinder haben das Recht auf Schutz vor Diskriminierung – und gleichzeitig erleben Kinder, bereits sehr junge Kinder, dass sie auf Grund eines Merkmals ihrer Identität abgelehnt oder abgewertet werden. Wie sind vor diesem Hintergrund Erziehungs- und Bildungseinrichtungen zu gestalten, welche Verantwortung kommt ihnen zu, wie können sie zu Lernorten werden, in denen alle Kinder gut lernen können? Wie können hier gleiche Rechte realisiert werden angesichts der Unterschiede von Lebensverhältnissen und Weltzugängen von Kindern? Der Ansatz Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung stellt sich der Komplexität der Anforderungen mit theoretischer Fundierung und einer orientierenden Systematik, mit der Prozesse der Praxisentwicklung schrittweise angegangen werden können.

Das Projektvorhaben

Das Projekt baut auf den bisherigen Ergebnissen und Erkenntnissen von KINDERWELTEN auf. Es zielt auf zwei Vorhaben, die bisher nicht realisiert werden konnten:

  1. Die inklusive Praxisentwicklung in Krippen;

  2. Die Erstellung eines „Praxishandbuchs Inklusion“ für Krippen und Kitas.

1. Inklusive Praxisentwicklung in Krippen

Was zeichnet eine inklusive Krippe aus? Welche Besonderheiten in der Entwicklung von jungen Kindern in Bezug auf das Thema Gleichheit und Differenz gilt es zu berücksichtigen?

Inklusive Praxis in der Krippe hat insbesondere an der Gestaltung der Lernumgebung und der Interaktion mit Kindern und Eltern anzusetzen. In der Systematik des Ansatzes Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung stehen die Ziele 1 und 2 „Kinder in ihren Identitäten bestärken“ und „Aktive Erfahrungen mit Unterschieden machen“ im Vordergrund. Wie diese mit jungen Kindern konkretisiert werden können, wird im Projekt gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften in fünf Berliner Kindertageseinrichtungen entwickelt.           

Die systematische Praxisentwicklung wird fachlich begleitet. Die fachliche Begleitung umfasst die Fortbildung der Krippenteams und der Leitungskräfte, Beratung vor Ort, die Verabredung praktischer Umsetzungsschritte, Unterstützung bei der Dokumentation sowie die laufende Evaluation des Projektverlaufs. Die Begleitung ist auf zwei Jahre angelegt, denn erfahrungsgemäß sind die Prozesse der Bewusstwerdung und der Praxisveränderung im Feld von Inklusion/Exklusion zeitintensiv und lassen sich nicht abkürzen.

Gute Beispiele inklusiver Praxis werden als Beiträge für das Praxishandbuch aufbereitet. Aus den reflektierten Erfahrungen werden außerdem Qualitätsansprüche an inklusive Krippen extrahiert, die das Qualitätshandbuch Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung ergänzen.

2. Erstellung eines „Praxishandbuchs Inklusion“ für Krippen und Kitas auf der Grundlage Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung, in Zusammenarbeit mit Kitas

Das Praxishandbuch: Aufbau und Inhalte

Das Praxishandbuch soll anregend sein und mit Bildern und Illustrationen ein „inneres Bild“ von inklusiver/vorurteilsbewusster Arbeit in Krippe und Kindergarten vermitteln. Andererseits soll es in der Art eines Arbeitsbuchs verwendet werden können, an dem pädagogische Fachkräfte ihre Arbeit orientieren können, auch unter Verwendung des Qualitätshandbuchs für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung, das als Instrument für die Interne Evaluation vorurteilsbewusster Qualitätsentwicklung in Kitas für Kinder ab 3 Jahren bereits vorliegt.

Das Praxishandbuch besteht aus vier Bänden, zu folgenden Aufgabenfeldern inklusiver pädagogischer Praxis:

  • Vorurteilsbewusste Gestaltung der Lernumgebung,
  • Vorurteilsbewusste Gestaltung der Interaktion mit Kindern,
  • Vorurteilsbewusste Zusammenarbeit mit Eltern,
  • Vorurteilsbewusste Zusammenarbeit im Team.

Jeder Band enthält Praxisbeispiele und Prozess- und Erfahrungsberichte aus Krippe und Kindergarten zu den vier Zielen der vorurteilsbewussten Arbeit:

  • Ziel 1: Alle Kinder in ihren Identitäten stärken,
  • Ziel 2: Allen Kindern aktive Erfahrungen mit Unterschiedlichkeit ermöglichen,
  • Ziel 3: Das kritische Denken über Einseitigkeiten und Ungerechtigkeit anregen,
  • Ziel 4: Zum Aktivwerden gegen Einseitigkeiten und Ungerechtigkeit ermutigen.

Die Praxisbeispiele sollen unterschiedliche Aspekte von Identität beleuchten, die für Kinder und Erwachsene relevant sind und Anregungen geben, wie in der Kita Unterschiede zum Thema gemacht werden können, ohne Kinder oder Familien zu stigmatisieren.

Praxishandbuch: Praxisbeispiele in Zusammenarbeit mit Krippen und Kitas gewinnen

Für das Erstellen des Praxishandbuchs ist in Zusammenarbeit mit pädagogischen Fachkräften die Aufbereitung von Praxisdokumentationen und Prozessbeschreibungen zu konkreten Beispielen erforderlich, die einerseits in den fünf Modell-Einrichtungen wie auch in weiteren Kitas bundesweit gewonnen werden sollen.

Angesprochen sind hierfür Kitas, die bereits nach dem Ansatz VBuE arbeiten und an einer Vertiefung/Weiterentwicklung ebenso interessiert sind wie daran, gelungene Beispiele ihrer Arbeit zu veröffentlichen. Das Identifizieren von Beispielen inklusiver Praxis in diesen Kitas erfolgt durch Projektmitarbeiter_innen, in Zusammenarbeit mit den Fachberater_innen vor Ort.

Im Zuge dessen erhalten die beitragenden Kitas bis zu 2 Tagen Fortbildung zur Weiterentwicklung ihrer vorurteilsbewussten Qualität, die Multiplikator_innen eine zweitägige Fortbildung zur Vertiefung.

Vernetzung und Verbreitung

Um den fachlichen Austausch unter den Modell-Krippen anzuregen, finden kitaübergreifende Veranstaltungen statt, bei denen die pädagogischen Fachkräfte ihre Erfahrungen und Ergebnisse vor- und zur Diskussion stellen. 

Eine Fachtagung zum Ende des Projekts wird die Ergebnisse einem größeren Auditorium präsentieren.

Der weiteren Verbreitung und Vernetzung dient eine Multiplikator_innen-Fortbildung, in die Erkenntnisse aus dem Projekt einfließen. Ziel ist, den Kreis von Multiplikator_innen zu erhöhen, die bundesweit im Sinne der Projektergebnisse Kitateams qualifizieren können.

Modell-Kitas

Team

Leitung:  Petra Wagner (petra.wagner@kinderwelten.net)  

Assistenz, Koordination:  Sandra Richter (sandra.richter@kinderwelten.net)  

Koordination, Beratung, Fortbildung:

Mahdokht Ansari (mahdokht.ansari@kinderwelten.net)

Evelyne Höhme (evelyne.hoehme@kinderwelten.net)

Anke Krause (anke.krause@kinderwelten.net)

Ulla Lindemann (ulla.lindemann@kinderwelten.net)

Zeitlicher Ablauf und Förderung

Das Projekt hat eine Laufzeit von 28 Monaten (September 2012-Dezember 2014) und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Literatur

Sulzer, Annika & Wagner, Petra (2011): Inklusion in der Frühpädagogik: Qualifikationsanforderungen an die Fachkräfte. Expertise für die WIFF im DJI, München. www.weiterbildungsinitiative.de

 

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