An dieser Stelle wollen wir euch regelmäßig informieren, euch Fragen stellen und so gemeinsam am Situationsansatz denken und arbeiten.

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25.06.2020

Kinder sprechen über ihr Erleben der Corona-Pandemie

In der AWO-Kita Schäferkamp in Buxtehude haben die Pädagog*innen mit den Kindern über ihre Erfahrungen und ihre Sicht auf das Corona-Virus gesprochen. Sie haben eingewilligt, dass wir ihre Aussagen hier in der Denkwerkstatt veröffentlichen können. Vielen Dank noch mal!

Was haben eure Kinder zu „Corona“ gesagt? Schickt uns gern eure Antworten!

Was ist das Corona-Virus?

  • „Ein Virus, das ist eine Krankheit, manche Menschen können sterben.“
  • „Corona ist COVID-19.“
  • „Es gibt Viren die lieb sind und welche die böse sind. Liebe Viren sind Superhelden, die machen böse Viren weg.“
  • „Die lieben Viren haben ein goldenes Messer in der Hand.“

Wie hast du dich in der Corona Zeit gefühlt, was war für dich toll und was war doof?

  • „Ich fand’s blöd, da konnten wir lange Tage nicht in den Kindergarten und jetzt schon.“
  • „Ich fand’s doof, der Spielplatz war zu, jetzt dürfen wir wieder auf den Spielplatz.“
  • „Blöd, weil wir konnten nicht in die Stadt erst mal und ins Schwimmbad.“
  • „Ich fand´s toll, weil dann kann man ja ausschlafen und nicht so früh in die Kita gehen. Dann kann man noch ein bisschen weiter spielen und auch vielleicht draußen. Ich hab mich gut gefühlt, weil dann konnte ich hier ein bisschen mehr mit Freunden spielen.“
  • „Ich fand es toll, ich konnte länger Fernseher gucken.“
  • „Ich fand es toll, weil ich zu Hause kann ich mit einer Freundin spielen, die ist ein Schulkind!“
  • „Wir können nicht in den Tierpark, Achterbahn fahren oder in den Wasserpark.“
  • „Ich hab mich gut gefühlt, weil ich konnte ein bisschen Play Station spielen.“
  • „Toll.“
  • „Und übrigens find ich das Corona Virus toll, weil man da ja Filme gucken kann.“
  • „Gut, Barbie gespielt.“
  • „Ich durfte am Laptop und Handy spielen, da sind meine Lernsachen drauf, rechnen.“
  • „Spielen, sprechen rechnen, ja!“
  • „Im Kindergarten zu bleiben und spielen war toll.“
  • „Gut weil da kann man ja schöne Sachen machen, wie puzzeln oder spielen, weil man kann auch nicht zum Tierpark fahrn.“
  • „Es war doof, ich konnte mit niemanden spielen. Da war ich traurig und hab alle vermisst. Ich war traurig, dass ich nicht mehr malen und steckern konnte (in der Kita).“
  • „Ich fand es blöd, ich hab den Kita vermisst, meine Freunde und die Spielsachen.“
  • „Ich hab mich mittel gefühlt, weil meine Hunde da waren (zu Hause).“
  • „Papa hatte Geburtstag.“
  • „Ich hab mir Mario-Cart bestellt, das kam nach zwei Tagen an.“
  • „Ich hab eine Bauchtasche bekommen, das war toll!“
  • „Mein Zahn ist rausgefallen, dann hab ich mir was gekauft.“
  • „Ich habe Pokemon-Karten gekauft.“
  • „Ich konnte lange schlafen, bis halb Zehn!“
  • „Ich durfte abends länger wach bleiben.“
  • „Mir war langweilig, ich hatte niemanden zum Spielen. Mir war soooooo langweilig!“
  • „Beim Einkaufen musste ich im Auto sitzen bleiben ….“
  • „Man musste zu Hause bleiben.“

Warum mussten z.B. die Kitas oder auch die Spielplätze geschlossen werden?

  • „Weil da so viele Kinder sind, da stecken sich die die gesund sind an.“
  • „Da durfte ich zum Spielplatz wieder, weil Mama gesagt hat, dass die Spielplätze wieder öffnen und dann bin ich mit Freundinnen hingegangen. Wegen Corona-Virus bin ich die ganze Zeit drin gewesen. Das Virus macht krank!“
  • „Weil ganz viele dahin gehen und da kann man keinen Abstand halten. Kleinere Kinder verstehen das nicht.“
  • „Weil Corona ist.“
  • „Wegen Abstand halten.“

Wer hat das entschieden, dass Kitas oder Spielplätze geschlossen sind?

  • „Der Bürgermeister hat das bestimmt.“
  • „Der Arzt hat das bestimmt.“
  • „Der Bürgermeister.“
  • „Die Polizei.“
  • „Die Bundesregierung.“
  • „Das Gesundheitsamt.“
  • „Die Bundesligerin Angela Merkel
  • „Bänder haben das abgesperrt und Schilder hingen da. Das Band war weiß/rot.“
  • „Wir wissen das von den Nachrichten.“

Was habt ihr in der Zeit zu Hause gemacht?

  • „Ich hab zu Hause ein bisschen Sport gemacht. Mit einem Ball hab ich geprellt.“
  • „Ich hab mit meiner Schwester gespielt.“
  • „Wir haben vor dem Sofa Kissen aufgebaut und sind dann vom Sofa darauf gesprungen.“
  • „Ich hab mit meiner kleinen Schwester Fernseh geguckt und Hund gespielt.“
  • „Ich hab mit meinem Bruder Lego gespielt. Wir bauen gerade eine Lega-Rakete.“
  • „Ich hab auf der Switch gespielt. Ich war ein Auto und habe damit ein Tor geschossen.“
  • „Ich hab mit Autos gespielt.“
  • „Ich hab ein bisschen mit der Switch gespielt. Ich hab Minecraft gespielt.“
  • „Ich hab meine Hunde gekuschelt und wir sind zu den Pferden gegangen.“

Stell dir vor du wärst deine Mama oder Papa. Was glaubst du, wie haben sich deine Mama und Papa, in der Corona Zeit, gefühlt?

  • „Meine Mama fand das blöd, dass ich nicht in die Kita konnte, weil ich dann immer mit ihr spielen wollte, aber Mama musste immer abspülen oder arbeiten.“
  • „Also meine Mutter fand es blöd, dass ich nicht in die Kita konnte, weil sie immer allein sein wollte und arbeiten wollte.“
  • „Ich glaube mein Papa fand das toll, weil dann konnte er immer den Nachbarn sehen und mit ihm reden.“
  • „Gar nicht so gut! Weil sie dann fast gar kein Geld gehabt haben.“
  • „Mama hat sich gut gefühlt, weil dann konnte sie sich schön ausruhen.“
  • „Traurig, weil wir nichts unternehmen konnten. Ich habe meine Eltern getröstet. Ich hab sie in den Arm genommen und ein Knutschi gegeben.“
  • „Papa fande sich blöd. Er war manchmal wütend. Er musste den ganzen Tag telefonieren. Meine Mama und Papa haben sich darüber unterhalten.“
  • „Mein Papa musste arbeiten und das war für meine Mama doof. Sie musste alles machen!“
  • „Meine Mama hat sich gut gefühlt. Sie durfte noch in die Apotheke. Mein Papa war abends immer müde.“
  • „Mein Papa fand es doof, weil er die ganze Zeit mit Mundschutz in der Apotheke sitzen musste. Meine Mama fand es doof mit Mundschutz einkaufen zu gehen.“

18.06.2020

Seit 2000 wird das Qualitätsentwicklungskonzept von QuaSi stetig weiterentwickelt und überträgt die Grundannahmen und Ideen des Situationsansatzes aus der pädagogischen Arbeit mit den Kindern auf die Prozesse mit Erwachsenen in Kitas und die Weiterentwicklung von Kitas. Katrin Macha stellt in einem Web-Vortrag das Qualitätsverständnis vor und berichtet von den Projekten, die ISTA in diesem Sinne durchgeführt hat.

Schaut es euch an auf: https://www.netquali-bb.de/mediathek/

Und gern könnt ihr im Forum von Netquali BB kommentieren und wir können darüber weiter diskutieren.

27.05.2020

Zum Dialog

„Dialog ist die Begegnung zwischen Menschen, vermittelt durch die Welt, um die Welt zu benennen. […] er ist ein Akt der Schöpfung.“ (Freire, Pädagogik der Unterdrückten, 1973, S.72)

 

Vor kurzem hatte ich (Katrin Macha) ein wunderbares Gespräch mit Ilse Schimpf-Herken vom Paolo Freire Institut in der INA. Wir haben über das Wesen von „Dialog“ gesprochen, was ein Gespräch zu einem wahrhaften Dialog macht. Daraufhin habe ich in meiner Kopie des Buches Pädagogik der Unterdrückten nachgelesen, in dem Freire darüber schreibt. Er sieht im Dialog die Möglichkeit, miteinander Welt zu verstehen und zu verändern. Dazu benennt er fünf Aspekte in Worten, die wir heutzutage nicht in unserem fachlichen Diskurs nutzen und ordnet den Dialog viel größer ein, als wir es zu tun pflegen. Dialog ist eben keine reine Gesprächstechnik, sondern, so wie Freire den Begriff gebraucht, eine Weltanschauung, ein politisches Statement, ein Instrument für Befreiung. Freire ist einer der Vordenker des Situationsansatzes (Sita). Insbesondere das gesellschaftspolitische Bewusstsein des Sita und der Bezug zu den generativen (gesellschaftlichen, epochalen) Themen, die sich in jedem Handeln und in jeder Situation widerspiegeln, werden aus Freires Pädagogik gespeist.

Ich finde, es lohnt sich über dieses Verständnis von Dialog nachzudenken:

Dialog kann nicht gelingen ohne…

…„tiefe Liebe für Welt und Menschen“ (Freire 173, S.74): Freire verbindet damit, mit Blick auf die Revolutionen in Lateinamerika der 1960er und 1970er Jahre, den Einsatz für Gerechtigkeit und für die Befreiung und Veränderung der Welt. Dieses starke Wort Liebe weist uns m.E. auf die gesellschaftliche Bedeutung und Einordnung unseres Handelns in der Pädagogik hin: Wir wollen was erreichen für die Menschen, weil wir überzeugt sind, dass die Welt sich verändern kann – dies geht aber nur, so Freire, im Dialog mit den Menschen, auch mit denen, mit denen sonst keiner in den Dialog tritt. Dazu ist ein Gefühl wie die Liebe ein starker Motor, die Zuneigung, die Freude, die Lebenslust, die in diesem Wort mitschwingt.

…„Demut“: Hier geht es Freire darum, sich seiner eigenen Unwissenheit gewahr zu sein und sich nicht über andere zu erheben. Er beschreibt dies in Bezug auf die Schere zwischen der scheinbaren Bildungselite, die er anprangert, und den benachteiligten Menschen. Heute können wir dies gut übertragen auf den Dialog mit Kindern: Es braucht Einsicht, dass wir Erwachsenen es nicht besser wissen. Wenn wir denken, wir wüssten schon alles und auf unserem Wissen beharren, können wir uns nicht gemeinsam mit den Denkpartner*innen auf den Weg machen und „miteinander den Versuch unternehmen, zu dem, was [wir] schon wissen, hinzuzulernen.“ (Freire 1973, S.74)

…„Glauben an den Menschen“: Damit beschreibt Freire die Zuversicht, dass alle Menschen Macht haben, „zu schaffen und neu zu schaffen, zu machen und neu zu machen“ (ebd.). Er beschreibt, dass Machtverhältnisse mitunter anders sind und Menschen unterdrückt werden, aber es braucht den Glauben an die Kraft des Menschen, damit diese Verhältnisse durch den Dialog verändert werden können. Darin steckt die positive Grundeinstellung zum Leben auf dieser Welt, zu den Möglichkeiten, die wir Menschen haben, um die Welt besser zu gestalten. Dies zeigt sich in unserem Handeln in der Welt insgesamt und in allen kleinen und großen Dialogen, die wir führen.

… „Hoffnung“: Die Hoffnung ist für Freire ein Motor für den Weg und die Suche aus der Unvollendetheit. Wenn wir Ungerechtigkeit sehen, treibt uns die Hoffnung dazu, für Veränderung zu kämpfen. Gemeinsam mit anderen suchen wir danach. Die Hoffnung macht den Dialog zu einer gemeinsamen Suche nach einer Erklärung, einer Lösung oder nach einer Erkenntnis, die uns in unserem Leben und die Welt weiterbringt.

… „kritisches Denken“: Das heißt für Freire, sich nicht anzupassen an die aktuellen Verhältnisse, sich der Verbindung der „unlöslichen Solidarität zwischen Welt und Mensch“ (ebd., S.75) bewusst zu sein/werden, die Wirklichkeit als Prozess zu erkennen, der dynamisch ist und sich stetig verändert mit dem Ziel der „Humanisierung“, also der Freiheit für alle Menschen und einem gleichwürdigen Leben für alle.

Für Freire ist klar, echte „Bildung als Praxis der Freiheit“ kann nur gelingen, wenn die Partner*innen in einem Dialog miteinander die Welt und ihre Verhältnisse erkunden.

Was hat das mit dem Leben und Handeln in Kitas zu tun? In erster Linie geht es wohl bei diesem Dialogbegriff darum, die Wertegrundlage und die eigenen Haltungen zu reflektieren, mit denen wir in jede Interaktion gehen und unser Leben leben. Er knüpft an unser Bildungsverständnis im Situationsansatz an, bei dem die Welt aus der Sicht der Kinder in den Mittelpunkt der Erforschung rückt. Kinder und Erwachsene finden gemeinsam in einem Dialog oder Ko-Konstruktionsprozess heraus, wie die Welt funktioniert, und wie sie sie beeinflussen können. Immer wieder neu und immer wieder anders.

Wie können die fünf Aspekte, die Freire für einen gelingenden Dialog beschreibt, für die konzeptionelle Arbeit im Team genutzt werden?

Pädagog*innen können gemeinsam darüber nachdenken, was diese Aspekte für jede*n Einzelne*n bedeuten und – im Sinne des kritischen Denkens, ob sie diese Einschätzung teilen und sich davon angesprochen fühlen oder nicht. Im nächsten Schritt können sie es konkret auf die Dialoge beziehen, die sie in den Kitas führen: mit den Kindern, mit den Familien, miteinander im Team. Was bedeuten die Aspekte ganz praktisch für die Dialoge mit den Personengruppen? Ändert sich die Haltung, wenn eine andere Zielgruppe in den Blick genommen wird?

28.04.2020

Erkundung zum Umgang mit der „Corona-Krise“ in Kitas

Vor einiger Zeit haben wir euch an dieser Stelle gefragt, wie ihr die momentane Situation wahrnehmt. Wir haben zu diesem Thema eine Videokonferenz gemacht und uns mit einigen Sita-Kolleg*innen aus verschiedenen Gegenden Deutschlands ausgetauscht.

Diese Themenschwerpunkte haben wir diskutiert:

  1. Wie nehmen wir die gesellschaftliche Diskussion in Deutschland wahr?
  2. Was erleben Kitas?
  3. Pädagog*innen halten Kontakt mit den Kindern und Eltern
  4. Wie nehmen wir Kinder in dieser Zeit wahr?
  5. Was hören wir von Eltern?
  6. Ideenpool: Was könnte Pädagog*innen helfen?

Hier findet ihr die ausführliche Darstellung der Ergebnisse unserer Erkundung.

Solltet ihr angeregt sein, eine der Ideen mit einer Berater*in/ Fortbilder*in von ista anzugehen, dann meldet euch bei uns. 

An der Diskussion waren beteiligt: Silvia Ballas-Klein, Ola Bielesza, Kathrin Bolz, Anja Dörr, Ulrike Foelsch, Diemuth Hock-Forth, Hedi Lanz, Katrin Macha, Gerlinde Ries-Schemainda, Marlene Scheffer, Christiane Schweitzer, Alexandra Ulrich-Uebel, Miriam Zeleke.

Die Zusammenfassung wurde von Katrin Macha erstellt.

14.04.2020

Kinder begleiten, auch wenn sie gerade nicht in der Kita sind,…

…bedeutet weiterhin, im Dialog mit den Kindern, Eltern und anderen Erwachsenen herauszufinden, was für die Kinder bedeutsam ist. Es heißt auch, zu erkunden, welche Schlüsselsituationen die Kinder gerade erleben, womit sie sich momentan auseinandersetzen, was sie beschäftigt, was sie erleben und welche Erfahrungen sie machen. Im konzeptionellen Grundsatz 2 im Quasi-Buch (Qualität im Situationsansatz hrsg. von Christa Preissing und Elke Heller) finden sich Ansprüche und Kriterien, die hochaktuell Blickrichtungen und Fragestellungen einer solchen Erkundung anregen.

Jetzt, wo wir uns durch die Corona-Pandemie in einer uns selbst unbekannten Situation befinden und nicht wissen, was uns noch bevorsteht, ist diese pädagogische Aufgabe um so wichtiger. Weggefallen ist, dass wir die Kinder und Familien treffen und so automatisch in Kontakt kommen. Wir erleben die neue Situation, ohne mit den meisten Kindern und ihren Familien im täglichen Dialog zu sein. Klar ist, dass es andere Wege und Methoden, Medien und Kommunikationswege braucht, um in Kontakt und in den Austausch zu treten und in Erfahrung zu bringen, was die Kinder über ihre Lebenssituationen ausdrücken. Unsere Aufgabenstellung bleibt es weiterhin, Gespräche mit den Eltern über den Alltag ihrer Kinder zu führen, das was Kinder bewegt, auch jetzt zu erfahren und sichtbar zu machen, mit den Kindern in Beziehung zu bleiben und den Beziehungen, die den Kindern untereinander und mit uns wichtig sind, zum Ausdruck zu verhelfen. Wir sind der Überzeugung, dass wir das am besten erreichen, wenn wir unseren Fokus weiterhin darauf richten, was für die Kinder bedeutsam ist und unsere Bemühungen darauf verwenden, dies im Dialog mit ihnen und ihren Familien zu erkunden. Dabei werden wir ganz automatisch neue Wege finden und uns neue Formen der Zusammenarbeit mit den Eltern und innerhalb des Teams erschließen. Auch der Austausch mit anderen „an der Erziehung von Kindern Interessierten“, wie es im konzeptionellen Grundsatz 2 heißt, kann uns helfen, den Blick zu weiten, um die unterschiedlichen Lebenssituationen von Kindern zu antizipieren.

In diesem Sinne fühlt euch weiter eingeladen, eure Sicht auf die momentane Situation, eure Erfahrungen und Überlegungen mit uns zu teilen. Schreibt uns an quasi@situationsansatz.de oder postet auf unserem Instagram-Account (@situationsansatz)

Falls Ihr gerade das QuaSi-Buch nicht bei euch habt, hier sind die Qualitätsansprüche und -kriterien zum konzeptionellen Grundsatz 2:

Pädagog*innen finden im kontinuierlichen Diskurs mit Kindern, Eltern und anderen Erwachsenen heraus, was Schlüsselsituationen im Leben der Kinder sind.

2.1.      Pädagog*innen erkunden, was Kinder auf vielfältige Weise selbst über ihre Lebenssituation ausdrücken.

Sie ermuntern Kinder, ihre Erwartungen, Ideen, Visionen, ihre Fragen, Ängste und Kümmernisse zu äußern.

Sie beachten die unterschiedlichen Ausdrucksformen und -möglichkeiten der Kinder, insbesondere der Kinder im vorsprachlichen Alter.

Sie führen individuelle und gemeinsame Gespräche, in denen Kinder ihre Sichtweisen auf die Dinge und Begebenheiten, ihre Wünsche und Vorstellungen darstellen können.

2.2.      Pädagog*innen initiieren Gespräche mit Eltern zu bedeutsamen Situationen im Lebensalltag ihrer Kinder.

Sie schaffen ein kommunikatives und diskussionsfreudiges Klima in ihrer Kinderein-richtung. Sie drücken ihre wertschätzende Haltung gegenüber den Eltern aus.

Sie führen Gespräche mit Eltern über bedeutsame Lebenssituationen von Kindern und bringen aktiv ihre eigenen Positionen ein.

Sie bereiten sich auf diese Gespräche vor und erweitern durch Fortbildung und Beratung ihre Erfahrungen zur anregenden und lebendigen Gesprächsführung.

Sie organisieren Diskussionen mit Expert*innen über die Lebenssituationen von Kindern und Familien und diskutieren mit Eltern die Bedeutsamkeit für die eigene Lebenswirklichkeit.

Sie machen Eltern Beiträge in den Medien zu Lebenssituationen von Kindern zugänglich und regen damit die Diskussion an.

2.3.      Pädagog*innen verständigen sich mit anderen an der Erziehung von Kindern Interessierten über ihre Ansichten und Meinungen zu bedeutsamen Lebens-situationen von Kindern.

Sie beteiligen sich an Diskussionen im Umfeld zu kinderpolitischen Fragen. Dabei versichern sie sich des Rückhaltes durch ihren Träger.

Sie nehmen Kontakte zu Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Bildung aus dem regionalen Umfeld auf und laden zum Diskurs über Lebensbedingungen von Kindern und Familien sowie über Fragen heutiger Kindererziehung ein.

Sie sorgen mit Rücksicht auf die Lebens- und Kommunikationsstile der Elternschaft für ein angemessenes Gesprächsklima und bereiten sich anhand von Leitfragen auf solche Dialoge vor.

2.4.      Pädagog*innen tauschen sich im Team kontinuierlich über bedeutsame Lebenssituationen der Kinder in ihrer Kindertagesstätte aus.

Sie analysieren in regelmäßigen Beratungen ihre Beobachtungen, Wahrnehmungen und Erkenntnisse. Sie verständigen sich auf dieser Grundlage im Team über relevante Situationen im Leben der Kinder ihrer Gruppe bzw. ihrer Kindertageseinrichtung.

Sie vertiefen ihre Einsichten in bedeutsame Lebenssituationen von Kindern durch das Studium entsprechender Fachliteratur.

Sie dokumentieren diesen Prozess der Situationsanalyse und laden Eltern zur Diskussion ein.

2.5.      Pädagog*innen wählen aus der Vielfalt der in Frage kommenden Lebenssituationen jene aus, die sie mit den Kindern im Sinne einer „Schlüsselsituation“ bearbeiten.

Sie wählen solche Situationen aus, die der Neugier und dem Wissensdurst der Kinder entsprechen und die Kinder in ihrem selbstbestimmten, sozial verantwortlichen und sachkompetenten Handeln fördern.

Sie wählen solche Situationen aus, die Kinder in einer ihrer Entwicklung entsprechenden Weise verstehen, gestalten und beeinflussen können und die sie in ihrer aktiven Lebenshaltung bestärken.

Sie greifen Situationen auf, mit denen sich Kinder aktuell auseinandersetzen. Sie tragen auch Themen an die Kinder heran, die für ihr Aufwachsen in der Gesellschaft unerlässlich sind.

Sie werden in der Auswahl von Schlüsselsituationen den unterschiedlichen Lebens-verhältnissen von Kindern gerecht und halten Differenzierungen aus.

Sie machen Kindern und Eltern die geplanten Vorhaben zur Gestaltung des alltäglichen Lebens der Kinder und zu längerfristigen Projekten transparent und stellen sich dem Gespräch.

 

(Quelle: Preissing/ Heller (Hrsg.) (2016): Qualität im Situationsansatz. Weinheim. S.20-21.)

01.04.2020

Kinder und Familien in Coronazeiten

Die Kinder können im Moment nicht in den Kitas betreut werden. Manche genießen gerade die Zeit in ihren Familien, machen mit ihren Eltern und/oder Geschwistern schöne Sachen, lernen viel Neues und sind mit ihren Sorgen oder Ängsten bezogen auf die veränderten Weltbedingungen gut aufgehoben. Andere Kinder erleben momentan, dass ihre Eltern sich nicht gut um sie kümmern können, weil sie arbeiten müssen, ihren Job verloren haben und/oder selbst voller Angst sind. In anderen Familien werden sich negative Spiralen verstärken und Kinder werden eine schlechte Zeit haben.

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, diese Situation für die Kinder, ihre Familien und unsere Gesellschaft zu erkunden. Und zwar so, wie wir das im Situationsansatz üblicherweise tun:

Der erste Schritt in unserer pädagogischer Planung ist immer das Erkunden; also herauszufinden, wie die Situation für die verschiedenen Menschen gerade ist. Dabei achten wir darauf, dass unterschiedliche Familien verschiedene Ansichten haben, dass Kinder eine Situation wahrscheinlich anders wahrnehmen als Erwachsene, und dass wir Pädagog*innen eine eigene Meinung und Wahrnehmung einer Situation haben, die nicht unbedingt auf die der Familien übertragbar ist.
Die weiteren Planungsschritte sind: 2. Ziele finden (auf Grundlage der Erkundung zu überlegen, was die Ziele für die weitere Arbeit sind), 3. Handeln (an den Ziele ausgerichtete Handlungsmöglichkeiten oder Aktivitäten überlegen und umsetzen) und 4. Reflektieren (auswerten, wie die Arbeit an den Zielen geklappt hat).

Wir brauchen dazu eure Hilfe! Schreibt uns:

Was wisst ihr über die Kinder und ihre Familien, wie verbringen sie ihre Zeit im Moment?

Wie geht es euch in dieser Situation?

Was erlebt ihr in den Kitas? Habt ihr Kinder in der Notbetreuung?

(Wie) Seid ihr mit den anderen Kindern und Familien in Kontakt?

Demnächst berichten wir davon, was diese erste Erkundung ergeben hat.

31.03.2020

Der Situationsansatz wird in Praxis und Theorie in Deutschland gelebt. Menschen nutzen dieses pädagogische Konzept, um Lebenswelten von Kindern zu gestalten und zu beeinflussen, auch um jene zu verbessern. Im Institut für den Situationsansatz tragen wir unseren Teil dazu bei: Wir begleiten Kitas bei ihren Entwicklungsprozessen; wir erforschen, wie Kitas gute Arbeit für die Kinder und ihre Familien leisten können und wir wenden selbst die Ansprüche und Prinzipien des Situationsansatzes in unseren Projekten an.

Was fehlt uns noch?

Schneller und direkter zu agieren, Einfluss zu nehmen auch von ISTA aus, Erkenntnisse aus unserer Arbeit zu teilen und spontaner mit euch in den Kontakt zu treten. Das tun wir hiermit: Wir werden euch regelmäßig auf diesem Weg informieren, euch fragen und so gemeinsam am Situationsansatz denken und arbeiten.

Wenn ihr unsere Beiträge kommentieren wollt, schreibt eine Mail an quasi@situationsansatz.de