Vor wenigen Tagen ist unsere geschätzte INA-Kolleg*in Prof. Dr. Marie-Theres Albert verstorben.

Seit vielen Jahren war sie INA-Gesellschafterin und hat das Institute Heritage Studies geleitet. Sie war Wissenschaftlerin durch und durch – und Kämpferin für Frieden und Gerechtigkeit. Im Institute Heritage Studies hat sie sich um ein innovatives Verständnis von (Welt)Erbe eingesetzt, neue Ideen und Theorien befördert und weltweit zu ihrer Verbreitung beigetragen.

Auf der INA-Homepage finden Sie den Nachruf der Mitstreiter*innen des Instituts.

Im Situationsansatz kennen manche Marie-Theres vielleicht aus der zweiten Auflage von Jürgen Zimmers „Kleinem Handbuch zum Situationsansatz“ (2005). Hier leitet er das Vorwort wie folgt ein: „Anruf der Professorin Dr. Marie-Theres Albert von der Technischen Universität Cottbus, kurz nach der Veröffentlichung der PISA-Studie: Die Geschichte mit PISA sei doch richtig hervorragend. Wieso denn? Weil die, nein: die Antwort auf PISA der Situationsansatz sei, und das nicht erst seit gestern, sondern seit 30 Jahren. Er sei das einzige Konzept weit und breit, das einen wirklichkeitsbezogenen Bildungsanspruch ernst nähme und die Lösung von realen Problemstellungen in realen Situationen favorisiere. Und er sei auch das beste Verfahren, um beispielsweise die durch dauerhaftes Auswendiglernen vom selbstständigen Denken entwöhnten Ingenieurstudierenden in Cottbus angemessen auf ihre beruflichen Anforderungen vorzubereiten.“ (S.7)

Dieses Zitat stellt zentrale Aspekte des Situationsansatzes heraus und zeigt, wie sehr dies auch aus anderen Blickrichtungen anerkannt war und ist. Das Zitat bezieht sich zwar auf PISA und ist 20 Jahre alt. Doch der Bildungsanspruch und die Lebensweltenorientierung, die darin deutlich werden, sind auch heute noch zentral dafür, Kinder bei den Herausforderungen in unserer Welt und in ihrem Aufwachsen zu begleiten. So wurde damals und heute Situationsansatz lebendig.

Auch wenn Marie-Theres in einem anderen Fachgebiet beheimatet war, hat sie doch immer wieder auch in Gesprächen in der INA bestärkt, wie wichtig besonders die Arbeit an realen Lebenssituationen von Menschen ist, um in ihnen die Begeisterung für das Lernen an sich zu wecken und sich als Gestaltende und selbst denkende Menschen in unsere Gesellschaft einzubringen. Mit dieser Begeisterung fürs Denken und Weltgestalten hat sie mich und viele von uns in der INA oft inspiriert und angesteckt. Es war eine Ehre, mit ihr zusammenzuarbeiten!

Unser herzliches Beileid geht an Familie und Freund*innen – und die Mitstreiter*innen im Institute Heritage Studies. Möge es mit einem ähnlichen Verve und Entwicklungsgeist, wie ihn Marie-Theres verkörpert hat, weitergehen!

Katrin Macha