Institut für den Situationsansatz

Mit Kindern über Gerechtigkeit, Hänseleien und Ausgrenzung ins Gespräch kommen: Dafür sind Persona Dolls® bestens geeignet.

Persona Dolls® sind Puppen mit Persönlichkeit. Sie haben einen Namen, eine Familie, ein Zuhause und sprechen bestimmte Sprachen. Sie haben ein Lieblingsgericht und mögen manches Essen überhaupt nicht, sie machen manches gerne und kriegen manches nicht gut hin. Sie sind etwa 80 cm groß und haben genau wie die Kinder, die in Deutschland aufwachsen, unterschiedliche Haut-, Haar- und Augenfarben. Sie haben unterschiedliche Körperformen und benutzen mal ihre Beine, mal einen Rollstuhl und mal eine Gehhilfe, um sich zu bewegen. Sie leben in Familien, die genauso vielfältig sind wie die Familien der Kinder in den Kindertageseinrichtungen oder Grundschulen. Sie wachsen mit einem Vater und einer Mutter auf, leben bei alleinerziehenden Eltern, in Adoptiv- oder Pflegefamilien. Persona Dolls® repräsentieren die Vielfalt der Lebenswirklichkeiten von Kindern und bringen Kinder mit ihnen in Begegnung.

Persona Dolls® besuchen Kinder in Kindertageseinrichtungen oder Grundschulen und laden sie regelmäßig zu einem Gespräch ein. Der Besuch wird vorher von der Pädagogin angekündigt. Die Kinder sitzen im Kreis und warten mit großer Spannung auf sie. Wenn die Puppe hereinkommt, werden sie sofort magisch von ihr angezogen. Wird die Puppe erst einmal vorgestellt, akzeptieren die Kinder sie schnell als Freundin oder Freund. Häufig erzählt die Persona Doll® von ihren schönen, lustigen und aufregenden Erlebnissen. Manche Erfahrungen teilen die Kinder auch, manche sind neu für sie. Sie berichten der Persona Doll® und den anderen Kindern im Gesprächskreis, welche Erfahrungen sie machen, was sie dazu wissen, denken und fühlen. Sie stellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede fest. Sobald sie miteinander vertraut sind, erzählt die Persona Doll® auch von Erlebnissen, die mit Ausgrenzung, Hänseleien und Ungerechtigkeit zu tun haben: Wie fühlt sich die Persona Doll®, wenn sie nicht mitspielen darf, weil sie im Rollstuhl sitzt? Oder weil sie ein Mädchen bzw. ein Junge ist? Oder wenn fremde Erwachsene ungefragt immer wieder ihre Haare anfassen und dann auch noch Schokokeks zu ihr sagen? Haben die Kinder ähnliche Erfahrungen gemacht? Kennen sie das auch? Wie haben sie sich dabei gefühlt? Gemeinsam überlegen die Kinder, wie sie der Persona Doll® helfen können. Wem kann die Puppe erzählen, was ihr passiert ist? Wer kann helfen? Wie kann man das sagen? Angeregt durch die Pädagogin üben die Kinder, wie und mit welchen Worten sie sich in solchen Situationen wehren können.

Mit Persona Dolls® leistet die vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung einen wesentlichen Beitrag zu einer demokratischen Kultur des Aufwachsens. Die Methode der Persona Dolls®  hat ihren Ursprung in den USA und wird unter anderem in Ländern wie Australien, England, Dänemark und den Niederlanden angewandt. Die Fachstelle Kinderwelten hat diese Methode im Jahr 2001 für Deutschland adaptiert und weiterentwickelt. Sie wird im Rahmen ihres pädagogischen Ansatzes »Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung©« umgesetzt.

 

Welche Botschaften empfangen Kinder über das soziale Zusammenleben in unserer Gesellschaft? Welche Bedeutung haben diese Botschaften für ihr Bild von sich selbst und von anderen? Was bedeutet das für ihre Lernmotivation? Und welche Informationen und Werte wollen wir als Pädagoginnen und Pädagogen den Kindern geben? In der vorurteilsbewussten Pädagogik stehen diese Fragen im Fokus. Mit Hilfe der Persona Dolls können wir Lernsituationen gestalten, in denen Kinder ermutigt und angeregt werden, ihre Gedanken zu äußern, sich in andere einzufühlen, über Ungerechtigkeit nachzudenken und zu überlegen, was man dagegen tun kann.

Der Film gibt eine Einführung in den Ansatz der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen. Er stellt die Arbeit mit Persona Dolls als eine Methode der vorurteilsbewussten Arbeit vor.

In sorgfältiger Handarbeit wurden Persona Dolls von 2003 bis 2017 von der Potsdamer Puppenmacherin und Europäischen Ethnologin M.A. Petra Fischer mitentwickelt und hergestellt.

Ein Film von Roswitha Weck im Auftrag des Projekts Kinderwelten / Internationale Akademie Berlin gGmbH (INA) (2008).

Praxisbeispiele

Die fünf Praxisbeispiele zeigen Gesprächsrunden mit Kindern und veranschaulichen die vier Ziele der vorurteilsbewussten Arbeit:

 

Teil 1: Identitäten stärken – Woher kommt mein Name?

 

Teil 2: Sich aktiv mit Vielfalt auseinandersetzen – Haben Jungen lange Haare?

 

Teil 3: Kritisch werden – Kann Max nicht spielen?

 

Teil 4: Aktiv werden – Wie kann Max mitspielen?

 

Teil 5: Max und Sabine – die ganze Geschichte