Implementierung „Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung©“ (VBuE)

Die „Implementierung des Ansatzes der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung©“ umfasst den Prozess der Qualitätsentwicklung in Kitas, der sich an den Zielen, Prinzipien und Methoden des Ansatzes orientiert. Diese sind insbesondere in der Publikationsreihe „Inklusion in der Kitapraxis“ dargestellt (ISTA/ Fachstelle Kinderwelten 2017, 2018a, 2018b, 2021).

Vorurteilsbewusste Qualitätsentwicklung benötigt eine längere Zeitspanne, um Lernprozesse zu ermöglichen, in denen die Praxis macht- und diskriminierungskritisch reflektiert und im Hinblick auf die VBuE-Ziele verändert wird. Unser Konzept der Implementierung von VBuE in Kitas ist auf mindestens 2 Jahre angelegt und bezieht alle Beteiligten der Einrichtung ein. Der Prozess ist über diesen Zeitraum strukturiert von Fortbildungstagen (8-10) und Praxisphasen (5-6). Die fachliche Begleitung bei der Implementierung umfasst die Durchführung der Fortbildungen wie auch die Prozessbegleitung in den Praxisphasen.  

Die Implementierung von VBuE ist als Organisationsentwicklung angelegt, die idealerweise alle Verantwortungsebenen der Einrichtung einbezieht und sich nicht auf vereinzelte Fortbildungen von Kitateams und auf Qualifizierungen von Einzelnen beschränkt. Zwei Gründe sprechen dafür:

  • Nach Erkenntnissen der „Transferforschung“ gelingt der Transfer von Fortbildungsinhalten zu Veränderungen der Kitapraxis am ehesten über mehrtägige Weiterbildungen, die im Format von In-House-Fortbildungen angeboten werden, an denen das gesamte Team einer Kita teilnimmt, sowie durch fachlich begleitete Praxisphasen. (Buschle/Gruber 2018, S.36)
  • Mit der Implementierung profilieren sich Einrichtungen als Lernorte, in denen Respekt für Unterschiede und eine klare Positionierung gegen Ausgrenzung und Diskriminierung erfahrbar werden. Im Prozess der Implementierung wird daher untersucht: Welche Aspekte von Diversität werden thematisiert und wie? Welche fehlen? Worin liegen Einseitigkeiten, Ausschlüsse, Abwertungen? Wen treffen Mechanismen von Diskriminierung, wen nicht?

Da Diskriminierung nicht nur unmittelbar über Äußerungen und Handlungen geschieht, sondern als institutionelle Diskriminierung auch über strukturelle Vorgaben und Routinen Menschen benachteiligt, ohne dass jemand absichtsvoll diskriminiert, müssen auch diese aufgedeckt werden und in Veränderungen münden. Dies ist nicht in kurzer Zeit und vor allem nicht alleine zu machen: Es braucht Teams als kritische Lerngemeinschaften, die von Leitung und Träger unterstützt werden.

Da immer wieder neue Fragen um Diversität und Diskriminierung auftreten werden, ist der Prozess nie abgeschlossen. Ziel von Implementierung muss daher sein, Diversitätsorientierung und Diskriminierungskritik als zentrale Qualitätsansprüche in der gesamten Organisation zu verankern, die als Querschnittsaufgabe aller Beteiligten verstanden werden. Bei der Implementierung ist eine fachliche Begleitung der Lern- und Veränderungsprozesse von Vorteil.

Die Implementierung des Ansatzes VBuE als Einstieg zur nachhaltigen Verankerung einer diversitätssensiblen und diskriminierungskritischen Organisationskultur in Kitas ist nach unseren bisherigen Erfahrungen vielversprechend. In unserem Verständnis ist sie ein wichtiger Beitrag zu einer werteorientierten Organisationsentwicklung in Kitas, die in Deutschland noch Neuland ist (vgl. Projekt Forum KITA-Entwicklung 2022). Da uns sehr daran gelegen ist, diese weiterzuentwickeln und zu verbreiten, freuen wir uns über weitere Kolleg*innen, die sich dafür qualifizieren!

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