Titel:

Blumkas Tagebuch

Autor*innen:

Jahr:

2011

Altersgruppe:

Verlag:

Gimpel

Blumka schreibt in ihrem Tagebuch über das Leben im Waisenhaus für jüdische Kinder in Warschau. Hier lebt sie mit 200 Kindern, dem polnischen Pädagogen Dr. Korczak und Frau Stefa. Das erste Bild, eine Fotografie, stellt uns die zwölf Kinder vor, die Blumka im ersten Teil des Buches porträtiert. Jedes Kind wird liebevoll in seiner Einzigartigkeit beschrieben: Da ist Aaron, der nachts oft weint, ohne zu wissen warum und der wie kein anderer nähen kann. Und Stasiek, der immer fröhlich ist. Und Hannah, die spindeldürr war, als sie ins Waisenhaus kam und so aggressiv, dass niemand mit ihr spielen wollte. Dr. Korczak hat viel mit ihr allein gesprochen und sie konnte ihr Verhalten ändern. Der zweite Teil handelt von Dr. Korczak und den Prinzipien seiner „fröhlichen Pädagogik“, die für die damalige Zeit revolutionär waren und bis heute fortschrittlich sind: So sind Kinder genauso wichtig wie Erwachsene. Erwachsenen ist es verboten, Kinder zu schlagen. Jeden Samstag gibt es ein Kinderplenum, damit die Kinder Gerechtigkeit lernen. Dort werden Konflikte besprochen und auch die Erwachsenen müssen sich dort verantworten. Blumka schreibt am Ende, dass sie noch viel mehr sagen könnte, doch der Doktor betritt ihr Zimmer und löscht das Licht. Und dann kam der Krieg und riss das Tagebuch mit sich. Das weitere Schicksal der Bewohner*innen des Waisenhauses, nämlich die Ermordung im Vernichtungslager, wird angedeutet, indem der Gedenkstein erwähnt wird, der heute an die Kinder, Dr. Korczak und Frau Stefa, an der Stelle erinnert, an der sich früher das Warschauer Ghetto befand.

Dieses berührende und beeindruckende Buch ist in seiner textlichen und illustratorischen Gestaltung ein besonderes Kunstwerk. Das vergilbte, linierte Papier, das für das Buch verwendet wurde, schafft einen unmittelbaren, sinnlichen Zugang zu den Biografien der Kinder und Janusz Korczaks. Die Collagen, die vornehmlich in Sepia-Tönen gehalten sind, greifen Details der Texte auf und zeigen manchmal auch Ereignisse aus dem Leben der Kinder, die nicht mit Worten beschrieben werden, wenn die Zeichnung etwa barfüßige, bettelnde Kinder zeigt. Jedes dargestellte Kind erfährt in Blumkas einfühlsamen Worten Wertschätzung in seiner Einzigartigkeit. Anschaulich und auch für Kinder nachvollziehbar werden die Prinzipien der Pädagogik Janusz Korczaks charakterisiert, der seine humanistischen Grundsätze konsequent bis zum Schluss lebte, indem er die Kinder gemeinsam mit Frau Stefa ins Vernichtungslager begleitete. Darüber hinaus bieten diese Prinzipien zahlreiche Anregungen für die Gestaltung des pädagogischen Alltags mit Kindern auf der Basis von Gerechtigkeit und Wertschätzung.

Preis: 29,90 €