Titel:

Helsin Apelsin und der Spinner

Jahr:

2020

Altersgruppe:

Verlag:

Beltz

Helsin ist fast immer fröhlich und hat unglaublich viel Energie, mehr als andere. Und manchmal bekommt sie einen „Spinner“, dann schreit sie, wirft Sachen durch die Gegend und ihre Arme und Beine zappeln in alle Richtungen. Tom, ihr bester Freund, und alle in der Klasse wissen, was sie tun müssen, wenn ein Spinner kommt. Nämlich abwarten und ihre Entschuldigung unbedingt annehmen. Mit Hand. Nur Louis, der Neue, weiß es nicht und veräppelt Helsin auch noch wegen ihres Namens. Das hat noch niemand gewagt. Das schlimmste aber ist, dass auch die anderen in der Klasse und sogar Tom über den Helsin Apelsin-Witz lachen. Da kommt gleich der nächste Spinner.

Bis jetzt mochte sie ihren Namen ja. Helsin wurde nämlich in Finnland geboren und ihre Eltern holten sie in Helsinki ab. Deswegen heißt sie Helsin. Dass sie adoptiert wurde, weiß Helsin seit einem Jahr und immer wieder lässt sie sich von ihren Eltern die Geschichte ihrer Familienwerdung erzählen.

Durch den Neuen in der Klasse kommt eine Geschichte in Gang, in der erst Helsin, dann auch Tom mit einer schmerzhaften Eifersucht zu kämpfen haben und ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird. Es geht um das Gefühl des Ausgeschlossenseins, um Geheimnisse, die sich gar nicht gut anfühlen und um das Sich- Entschuldigen.

Helsin bekommt im Buch ziemlich viele „Spinner“, denn sie kämpft auch hart dagegen an, nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen, wie sie es bis dahin so gewohnt war. Dass sie es am Ende schafft, den „Spinner“ das erste Mal zu besiegen, macht Mut. Außerdem gelingt es Helsin, Louis und Tom, einander Geheimnisse anzuvertrauen, die Eifersucht zu besiegen und Freund*innen zu werden.
Das Thema Adoption spielt für Helsin erst eine größere Rolle, als sie von ihrer leiblichen Großmutter einen Brief bekommt. Helsin überlegt, ob sie Kontakt aufnehmen soll, denn sie möchte wissen, wem sie ähnlich sieht. Finnland bekommt dadurch eine größere Bedeutung für sie.

Die in schwarz-weiß gehaltenen Illustrationen von Anke Kuhl, mit denen jedes der 26 Kapitel beginnt, sind lustig und ausdrucksstark.

Kinder mit sogenannter „fehlender Impulskontrolle“ können sich gut in Helsin einfühlen und auch Kinder, die solch ein Kind kennen, fühlen mit Helsin mit. Positiv hervorzuheben ist, dass Methoden und Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie mit Helsins Spinnern umgegangen werden kann. Gut wäre gewesen, wenn die Kinder ihre Angst oder Verunsicherung über Helsins Spinner artikuliert hätten, so dass Helsin eine direkte Reaktion auf ihr Verhalten hätte erfahren können.Viel zu oft werden diese Kinder als „Systemsprenger“ etikettiert und in spezielle Einrichtungen verwiesen.

Dass es Helsin am Ende schafft, sich einen „Spinner“ zu verdrücken, sich zu kontrollieren, schafft Hoffnung, denn das macht das Leben auch für sie einfacher.

Traditionelle Geschlechterrollen werden teilweise aufgehoben. Der Vater kocht jeden Tag für Helsin und ist eher zuhause, die Mutter arbeitet viel in ihrem Beruf und ist ein bisschen verhuscht. Doch auch das wird in der Familie wohlwollend kommentiert. Mit den „Spinnern“ gehen Mutter und Vater unterschiedlich um. Auch das ist also möglich.

Auch das Thema Adoption findet sich eher selten in Kinderbüchern wieder. Die Tatsache, dass Helsin zwei Familien hat, wird beiläufig thematisiert mit einem positiven Narrativ. Helsin setzt sich im Buch damit auseinander, ob sie sich bei der Großmutter aus Finnland melden soll, am Ende entscheidet sie sich dafür. Es ist ein Prozess, der von den Eltern unterstützend begleitet wird.

Das Buch ist aus der Kinderperspektive geschrieben, man fühlt mit Helsin richtig mit. Die starken Gefühle werden sehr anschaulich beschrieben, Kinder können mitfühlen.

Die Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen wird nicht extra thematisiert. Helsin, Tom, Louis und Elsa sind, bzw. werden Freund*innen, Louis und Tom haben lange Haare, die Kinder der Klasse sind von den Namen her divers.

Kritisch anzumerken ist, dass die Lehrerin Frau Coroni ihre Klasse „Zwerge“ nennt, weil die Klasse so klein ist. Außerdem kommt einmal das I-Wort vor. Die Bezeichnungen tragen nicht zu einem besseren Verständnis der Geschichte bei, sind herabwürdigend und klischeehaft und sollten deswegen nicht verwendet werden. (Kinderwelten)

Preis: 12,95 €