Titel:

Verschwunden – Tom und Tina ermitteln

Autor*innen:

Jahr:

2010

Altersgruppe:

Verlag:

Zwei-Welten-Fachverlag

Diese Detektivgeschichte spielt im Pine Ridge Reservat in South Dakota, USA. Mike sitzt in der Patsche und braucht die Hilfe seiner Freund*innen Tom und Tina. Er hat jetzt den dritten Mathetest verhauen – ausgerechnet er, der sonst der Mathestar ist. Dafür gibt es auch einen Grund: Zu Hause läuft alles schief, seine Mutter trinkt in letzter Zeit zu viel Alkohol und nun ist auch noch sein Vater verschwunden.

Die spannende Geschichte führt in die Alltagsrealitäten der Lakota, Angehörige der First Nations. Sie sind die Hauptfiguren, aus Mikes Perspektive werden die Schule und die Herausforderungen im Reservatsalltag geschildert. Die Probleme, die dort existieren, werden nicht beschönigt, gleichzeitig wird in der Geschichte auch gezeigt, wie sich Menschen füreinander einsetzen. Dies geschieht beispielsweise, als die Kinder vermuten, dass Mikes Vater möglicherweise entführt wurde und sich auf die Suche nach ihm machen. Durch ihren Mut und ihre fantastischen Ideen schaffen sie es, den Ort herauszufinden, an dem Mikes Vater von Drogenhändlern versteckt wird. Mit Hilfe der Polizei gelingt es, den Vater aus deren Händen zu befreien. Durch die Geschehnisse wachgerüttelt, entscheidet sich Mikes Mutter zum Entzug.

Die Handlung bietet viele Anknüpfungspunkte für Kinder in Deutschland – schlechte Noten in der Schule, Probleme zu Hause, solidarische Freunde, diese Aspekte kennen viele Kinder überall auf der Welt. Die realistische Schilderung möglicher Lebensbedingungen in den Reservaten der Lakota vermeidet gängige Klischees, welche „Indianergeschichten“ sonst kennzeichnen. Der Roman regt kritisches Denken an, indem beispielsweise problematisiert wird, wie ungerecht sich staatliche Institutionen gegenüber Angehörigen der First Nations verhalten. Die Kreativität und der ungebrochene Optimismus der Kinder bei der Suche nach Lösungen machen Mut, aktiv zu werden und auf das eigene Können zu vertrauen.

Schade, dass die Autorin nicht die Chance nutzt, auch verallgemeinernde, exotisierende oder abwertende Begriffe wie „Indianer” oder „Stamm” durch Begriffe zu ersetzen, die auch für dominante gesellschaftliche Gruppen verwendet werden. Dennoch gibt es keine vergleichbare Literatur über die ersten Nationen Amerikas, daher ist dieses Buch empfehlenswert. (Kinderwelten)

Preis: 9,95€