Titel:

Warum weint der Papa?

Jahr:

2018

Altersgruppe:

Verlag:

Maria Benson Verlag

In diesem wunderbar farbenfroh illustrierten Kinderbuch geht es um das Zeigen von Gefühlen. Zwei Kinder, eines Schwarz, eines weiß, sehen zufällig eine weinende, männliche Person auf einer Parkbank und fragen sich „warum weint der Papa?“ Sie entwickeln kreativ zahlreiche, zum Teil witzige, Ideen, weshalb dieser „Papa“ weint. Dabei werden von der Autorin und der Illustratorin einige Tabus angesprochen, die es wenig in Kinderbüchern für Dreijährige zu finden gibt: weinende Männer in der Öffentlichkeit, häusliche/körperliche Gewalt von Frauen gegen Kinder und Männer, die Überforderung von Erwachsenen mit weinenden Babys, die sich kaum beruhigen lassen. Sogar der mögliche Tod von jungen Kindern kommt vor: „Vielleicht ist das Baby von dem Papa gestorben“, flüstert Hamsa.

Auch werden – vor allem durch die Illustrationen – stereotype Geschlechterrollenbilder aufgeweicht. Die Mutter von Alvis fährt Motorrad und repariert ihr Auto. Der „Papa“ rennt – umrahmt von Rosarot – auf seine „Mama“ zu und freut sich riesig. Es gibt eine sehr wütend aussehende Polizistin. Der „Papa“ fährt ein rosa Fahrrad. Die beiden Kinder in den Hauptrollen sind eher rundlich und genderneutral angezogen, eines hat eine Brille. Der „Papa“ ist mit Anzug und Krawatte äußerlich sehr stereotyp dargestellt. Eines der beiden Kinder, die gleichberechtigt als Hauptfiguren gezeigt werden, hat keinen eigenen Papa, was aber nicht als defizitär dargestellt wird. Die Kinder sprechen über die von dem fremden Mann gezeigten und auch über ihre eigenen Gefühle ganz klar und deutlich: „Vielleicht ist der Papa müde“, sagt Alvis. „Davon wird man auch traurig.“ „Ich vermisse meinen Opa“, schluchzt Hamsa. „Jetzt bin ich auch traurig.“

Am Ende fragen die Kinder den weinenden „Papa“ direkt selbst, sie handeln also eigenständig. Der „Papa“ erklärt: „Ich weine, weil ich so glücklich bin“, (…) „weil ich auf dem Weg zu meinen Kindern bin.“ Es geht also am Ende um Freudentränen, die die beiden Kinder dann vor lauter Mitgefühl ebenso weinen. Er rückt damit seine Kinder in den Mittelpunkt. Hier bietet es sich an mit den Kindern beim Vorlesen zu überlegen, welche Möglichkeiten es für diese Tränen geben könnte.

Das Buch bietet viele Gelegenheiten um über verschiedene Gefühle wie das Weinen von Männern und Jungs oder übers Mitfühlen zu sprechen und gemeinsam über manche der Illustrationen zu schmunzeln. Leider gibt es nur heterosexuelle Familienmodelle. Die Familie des Schwarzen Kindes wird insgesamt weniger intensiv beleuchtet als der Alltag des weißen Kindes, das ist bedauerlich.  Ein lustiges und auch ernstes Buch für die Kita zum Thema Gefühle und Gender, in dem ein Schwarzes Kind eine Hauptrolle spielt! (Kinderwelten)

Preis: 12,50€