Modellprojekt „Kinderperspektiven im Kita-Beirat (KiKiBe)“

„Wie seht ihr das?“ – Es geht um die Sichtweisen von Kindern im Modellprojekt Kinderperspektiven im Kita-Beirat (KiKiBe).

Kinder sollen über Dinge, die sie betreffen, (mit)entscheiden. Das ist nicht nur ihr Recht, sondern ist auch pädagogischer Anspruch von Kindertageseinrichtungen, insbesondere im Situationsansatz. Durch die Erfahrung „Ich kann selbst bestimmen, mitbestimmen und entscheiden…“ wird die kindliche Eigenständigkeit, das Selbstvertrauen und somit das Wohlbefinden im Kita-Alltag gestärkt und nicht zuletzt Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe befördert.

Einen großen Schritt in die Umsetzung dieses Partizipationsanspruchs geht das Land Rheinland-Pfalz mit der Einführung des Kita-Beirats. In diesem Gremium wird die Perspektive der Kinder über eine Fachkraft für Kinderperspektiven im Kita-Beirat (FaKiB) vertreten. Die Implementierung des Kita-Beirats bringt für die Kitas neben großen Chancen auch Herausforderungen mit. Daher unterstützt und begleitet das Modellprojekt KiKiBe elf Modell-Kitas in Ludwigshafen bei der Einführung und Umsetzung des Kita-Beirats mit besonderem Fokus auf die Erfassung der Kinderperspektiven.

Das Modellprojekt „Kinderperspektiven im Kita-Beirat (KiKiBe)“ wird in Kooperation mit der Stadt Ludwigshafen im Rahmen der „Offensive Bildung“ (BASF SE) von Oktober 2021 bis Juni 2023 durchgeführt.

Die Grundlage für das Modellprojekt bildet das neue Kita-Gesetz in Rheinland-Pfalz, welches seit dem 01. Juli 2021 in Kraft ist. Nach §7 des Landesgesetzes über die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege (KiTaG) in Rheinland-Pfalz wurde verbindlich festgelegt, dass:

in jeder Tageseinrichtung [in Rheinland-Pfalz] […]  ein Beirat einzurichten [ist]. […] Der Beirat beschließt Empfehlungen unter Berücksichtigung der im pädagogischen Alltag gewonnenen Perspektive der Kinder in grundsätzlichen Angelegenheiten, die die strukturellen Grundlagen der Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsarbeit einer Tageseinrichtung betreffen.“

(vgl. Ministerium für Bildung, Rheinland Pfalz: Kita-Beirat, 2018, S. 7)

Der Kita-Beirat setzt sich aus folgenden Vertreter*innen einer Kita (mit jeweils zwei Personen, außer bei der FaKiB) zusammen:

– dem Kita-Träger (50%),

– den Eltern (20%),

– der Kita-Leitung (15%),

– den pädagogischen Fachkräften (15%) sowie

– einer pädagogischen Fachkraft aus der jeweiligen Kita, die die Perspektiven der Kinder (FaKiB) vertritt. 

Ziele des Modellprojekts

Auf der rechtlichen Grundlage baut das Modellprojekt auf und verfolgt folgende Ziele:

  • Implementierung und Verstetigung des Kita-Beirats,
  • „gelebte“ Partizipation im Kita-Alltag von allen Beteiligten: Kindern, Eltern/ Familien,
    pädagogischen Fachkräften, Kita-Leitung und Kita-Träger,
  • Demokratisierung von Entscheidungsstrukturen in und um Kita,
  • für Kinder sichtbare und spürbare Veränderungen im Hinblick auf Partizipation und Demokratie.

Umsetzung des Modellprojekts

Leitend für die Umsetzung des Modellprojekts sind die Planungsschritte des „Situationsansatzes”:
Erkunden – Entscheiden – Handeln – Nachdenken.

Das Modellprojekt „KiKiBe“ gliedert sich in 3 Phasen:

(1) Vorbereitung

In dieser Phase steht ein erstes Erkunden der Kitas im Vordergrund. So werden persönliche Gespräche mit den elf teilnehmenden Kitas geführt. In einem nächsten Schritt werden Stimmen aus der Praxis der verschiedenen Kita-Akteur*innen (Kinder, Eltern/ Familien, pädagogische Fachkräfte und Leitung) zum „Kita-Beirat“ gesammelt. Die aus den Gesprächen und den „Stimmen“ gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Konzipierung der Fortbildungsreihe ein sowie in die Planung der Erhebungen im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung. Die Vorbereitungsphase umfasst also die ersten beiden Planungsschritte: die Erkundung und die Entscheidung für das weitere Vorgehen.

(2) Durchführung – Arbeit mit den Modelleinrichtungen

Das Kernstück der zweiten Phase bildet eine 10tägige Fortbildungsreihe (vier Module, von März bis Dezember 2022), die in Ludwigshafen für die teilnehmenden Kitas bzw. ihren Vertreter*innen (Leitung, FaKiB und Fachberatung) stattfinden wird. In der Fortbildung bearbeiten die Teilnehmenden zum einen den Schwerpunkt der Erhebung der Kinderperspektiven. Hier nutzen sie die umfassenden Erfahrungen des Instituts für den Situationsansatz mit der Erhebung der Kinderperspektiven bei der Externen Evaluation und der Entwicklung von Qualitätshandbüchern (mit Kindern in über 160 Kitas). Zum anderen liegt der Schwerpunkt auf der Zusammenführung der verschiedenen Perspektiven, die im Kita-Beirat eingebracht werden. Auch hier kann das Projektteam auf Erfahrungen und Erkenntnisse des ISTA zurückgreifen, da die Multiperspektivität ein wichtiger Bestandteil des Situationsansatzes und des Qualitätsentwicklungsverständnisses nach QuaSi ist.

Sowohl vor als auch nach dieser Fortbildungsreihe ist eine qualitative, multiperspektivische Erhebung in den Modell-Kitas geplant. Dabei werden Erkenntnisse aus dem Prozess der Einführung und der Umsetzung des Kita-Beirats gewonnen. Diese Erkenntnisse sollen fortlaufend die teilnehmenden Kitas dabei unterstützen, die Perspektiven ihrer Kinder zu erfassen und sie nachhaltig in den Kita-Beirat einzubringen sowie die Kitas im Hinblick auf die Beteiligung von Kindern weiterentwickeln.

(3) Auswertung

Die mit dem Modellprojekt gewonnen Erfahrungen und Erkenntnisse werden für die Praxis aufgearbeitet und nutzbar gemacht. Dabei sollen Handlungsempfehlungen verfasst, Praxismaterialien entwickelt und ein Forschungsbericht publiziert werden.

Verfolgen Sie den Projektfortschritt in der Artikelreihe zu KiKiBe in der Fachzeitschrift wamiki und auf Instagram@situationsansatz.

Kontakt:

Institut für den Situationsansatz an der Internationalen Akademie Berlin gGmbH

Modellprojekt „Kinderperspektiven im Kita-Beirat (KiKiBe)“

Muskauer Str. 53

10997 Berlin

landeck@situationsansatz.de

armbruster@situationsansatz.de

macha@situationsansatz.de

ulrich-uebel@situationsansatz.de

Team:
Katrin Macha und Alexandra Ulrich-Uebel (Projektleiter*innen)

Lisa Landeck und Helena Armbruster (wissenschaftliche Mitarbeiter*innen)

 

Mit freundlicher Unterstützung der BASF SE:

und in Kooperation mit der Stadt Ludwigshafen: