Titel:

Klein

Autor*innen:

Jahr:

2016

Altersgruppe:

Verlag:

Klett Kinderbuch Verlag

Dieses Buch entstand gemeinsam mit der schwedischen Behörde zum Schutz von Verbrechensopfern, mit dem Ziel, Erwachsene daran zu erinnern, dass sie die Verantwortung für das Wohlergehen der Kinder tragen. Im Vorwort wird explizit darauf hingewiesen, dass kein Erwachsener einem Kind Angst machen oder es schlagen darf. Und es wird auf die Homepage „Kinderrechte.de“ verwiesen, um sich weiter zu informieren.

Die Geschichte handelt von einer Familie, die aus den Personen „Klein“ und „Groß“ und „Stark“ besteht. Wir erfahren, was das Kind gern mag: wenn alle froh sind und es zu Hause keinen Streit gibt, die Kita mit der Erzieher*in Frau Traulich… Aber an manchen Tagen passieren Dinge, die es nicht mag. Nach einem fröhlichen Tag in der Kita von einer* schlecht gelaunten „Stark“ abgeholt zu werden, der*die es grundlos beschimpft.

Als Zuhause der Streit zwischen den Eltern eskaliert, ahnt „Klein“ schon, dass es wieder gefährlich wird. Mit einem großen Koffer verlässt „Groß“ das Haus und lässt „Klein“ alleine mit „Stark“ zurück. Jetzt bräuchte das Kind Trost, doch der*die Erwachsene ist so mit ihrem Kummer beschäftigt, dass sie „Klein“ nicht trösten kann und stößt das Kind sogar weg, als dieses sie trösten will. Das Kind merkt, dass es sich selbst helfen muss und geht zu einer Nachbar*in. Deren Frage, ob es traurig sei, verneint es, obwohl sein ganzer Körper voller Trauer ist. Am Abend wieder zu Hause muss sich „Klein“ selbst ins Bett bringen, weil niemand da ist, der sich um es kümmert. Aber am nächsten Morgen in der Kita traut sich „Klein“, Frau Traulich alles zu erzählen. Aufmerksam hört sie zu und unterstützt es: ‚Du bist gut‘. Sie sagt, dass kein Erwachsener Kindern Angst machen darf und dass die Großen sich um die Kleinen kümmern sollen. Wir sehen, wie Frau Traulich lange telefoniert, während „Klein“ auf ihrem Schoss einschläft. Mit wem sie telefoniert, erfahren wir nicht. Das Buch endet mit den Zeilen ‚Es gibt noch mehr kleine Wusel, denen es so geht wie Klein. Es gibt noch mehr, die Zuhause Angst haben.‘ Und es geht weiter mit dem wichtigen Rat: ‚Wenn man alles erzählt, dann gibt es Große, die einem helfen.‘ Ganz besonders wichtig sind die beiden letzten Sätze: ‚Denn alle, die groß sind, sollen sich um die kümmern, die klein sind. So ist das.‘ „Klein“ ist eines der wenigen Kinderbücher, das sich mit dem sehr wichtigen Thema der häuslichen Gewalt beschäftigt, der viele Kinder ausgesetzt sind. Aus der Perspektive des Kindes wird einfühlsam dargestellt, wie sich Kinder fühlen, wenn sich Eltern immer wieder heftig streiten. Wir sehen „Kleins“ Verzweiflung und seine Hilflosigkeit. Entscheidend und hilfreich für alle Kinder in ähnlichen Situationen ist der Schluss der Geschichte: dass es Hilfe gibt, wenn sich Kinder trauen, sich an eine*n Erwachsene *n zu wenden.

Das Buch macht Kindern Mut, sich aus Situationen zu befreien, in denen sie Gewalt erleben und appelliert an Erwachsene, Kinder ernst zu nehmen und ihnen zu helfen. Noch immer hat sich gesellschaftlich nicht vollkommen durchgesetzt, dass häusliche Gewalt nicht lediglich unschön ist für Kinder, sondern vielmehr eine Kindeswohlgefährdung darstellt. Die Akteur*innen im Buch sind als Fantasiefiguren gezeichnet, dadurch wirkt die Handlung etwas weniger bedrohlich. Dies wird auch durch die sparsamen, mit Bleistift gezeichneten Illustrationen unterstützt.

Preis: 9,95€