Titel:

Der Outlaw

Autor*innen:

Jahr:

2020

Altersgruppe:

Verlag:

Freies Geistesleben

Ein „Gesetzloser“, versetzt eine Gegend in Angst und Schrecken. Die Menschen fürchten sich vor ihm, es herrscht Unsicherheit und Anspannung. Die Kinder werden gewarnt: „Seid artig, sonst holt euch der Gesetzlose!“ Irgendwann verschwindet er auf unerklärliche Weise, die Menschen atmen auf. Nach einigen Jahren reitet ein „Fremder“ in die Stadt. Sogleich macht dieser sich daran, den Wassertrog vor dem Wirtshaus zu zimmern und das Schindeldach des Schulhauses zu reparieren, denn die Stadt war, auch wegen der früheren Taten des Gesetzlosen, sehr heruntergekommen. Er scheint ein verständnisvoller Mensch zu sein, denn er nimmt ein Kind in Schutz, das wohl Brot und Wurst entwendet hatte. Dieses Kind bleibt an seiner Seite, auch als ihn jemand als den ehemaligen „Gesetzlosen“ wieder erkennt. Die Menschen der Stadt sind sehr aufgebracht, treten und bespucken ihn. Der Mann wiederum tut nichts, er lässt die Anfeindungen über sich ergehen. Ganz im Gegensatz zu früher, als er die Menschen der Stadt durch seine „Missetaten“ geängstigt hatte. Das Kind verteidigt ihn mutig: „Lasst ihn in Ruhe. Er bemüht sich.“ Es erkennt, dass sich Menschen ändern können und dass es wichtig ist, vergeben zu können. Manche der Bewohner lassen sich überzeugen, manche nicht. Der Mann zieht eines Tages weiter, um „Wiedergutmachung zu leisten“.

Die Geschichte, die im Wild-West-Setting angelegt ist, bietet viele Möglichkeiten über Recht, „Vor“urteile bzw. Verurteilungen, Schuld und Vergebung zu sprechen. Es geht um moralische Fragen. Können wir einer Person verzeihen, die in der Vergangenheit Fehler gemacht hat und sich durch positives Handeln um Wiedergutmachung bemüht? Verdienen Menschen eine 2. Chance? Sollen wir Menschen nicht lieber nach ihrem heutigen Handeln beurteilen und nicht aufgrund vergangener Fehler?

Hervorzuheben ist, dass sowohl das Kind als auch der sogenannte Outlaw eine Alternative zu den sonst so verbreiteten gefühlsarmen und brutalen Männlichkeiten mit hartgesottenen Cowboys dieser Zeit bieten. Kinder finden die Geschichte und die Gestaltung vermutlich spannend, gerade weil es in einem eher ungewöhnlichen Setting spielt. Sie lernen eine Wildwest-Geschichte kennen, die sich von den sonstigen Western Szenarien unterscheiden.

Die Illustrationen sind außergewöhnlich. Die Autorin und Illustratorin hat eine besondere Technik angewandt, in der sie Zeitungsausschnitte und Textilien aus den 1850er und 1860er Jahren einbezogen hat. Die Schrift erinnert an „WANTED“ Plakate.
Kritisch anzumerken ist, dass die Personen nicht divers entlang äußerer Zugehörigkeitsmerkmale sind. Alle Personen sind weiß, die Frauen tragen lange unbequeme Kleider, wie man es aus den Western kennt. Eine Frage drängt sich in diesem Zusammenhang auf. Im Buch spielt zwar die Geschichte der gewalttätigen und unrechten Aneignung des Landes durch weiße keine Rolle. Warum hat die Autorin dann trotzdem dieses Setting gewählt, obwohl diese Zeit von gewalttätiger Ausbeute geprägt war, die bis in die heutige Zeit nachwirkt. (Kinderwelten)

Preis: 16,00 €